:: s t o r i e s // s a n f t e   d u n k e l h e i t ::

Er kam ein paar Schritte auf mich zu. Es war so dunkel, dass ich kaum sein Gesicht sah. Ich ging etwas zurück und ertappte mich bei dem Gedanken, wegzulaufen. Warum? Warum sollte ich weglaufen... Er ist es doch. Nie habe ich jemandem mehr vertraut. Und nun; nun stand er direkt vor mir und tat nichts. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit und mein Herz schlug so laut, wie ich es noch nie gehört hatte.
Er hob seine Hand und berührte ganz sanft meine Wange. Obwohl ich sein Gesicht nicht erkannte, wusste ich, er würde lächeln. Ganz sicher. Ich vergass die klirrende Kälte, meine Schmerzen und alles um mich herum. Ich spürte nur seine warme Berührung.
Auf einmal wurde es hell. Ein vorbeifahrendes Auto erleuchtete genau uns mit seinem Scheinwerferlicht. Da sah ich sein Gesicht. Er lächelte nicht, so wie ich es gedacht hatte. Er weinte. Tränen liefen über seine Wangen, als bemerkte er sie nicht. Und da wusste ich, was er fühlte. Ich konnte in seine Seele sehen.
Kurz darauf wurde es wieder dunkel und alles war so wie zuvor. Fast alles. Ich vergass meine Angst, meine Gefühle, meinen Verstand. Als das nächste Auto seine Scheinwerfer für einige Sekunden auf uns richtete, standen wir da und umarmten uns. Du bist nicht allein. Und ohne ein Wort zu sagen, wusste ich, er verstand mich und ich fing ihn auf. Er würde immer in meinen Armen liegen. Immer.

~ Nov. 2001